Heimalltag und Lothar Matthäus

13 01 2009

Auf Anregung einer treuen Kommentatorin, schreibe ich etwas aus meinem aufregendem (?) Leben: Der Job im Alten- und Pflegeheim.

unschöne Erfahrungen:

– angeschrien zu werden (von Schlaganfallpatienten)

– statt Hinterlassenschaften von Hunden ganz andere Sachen im Schuhprofil zu haben

Mir fallen natürlich auch kuriose Geschichten ein, z.B. eine demente Bewohnerin läuft auf dem Flur mit Mantel und Handtasche herum. „Mein Taxi müsste doch langsam mal da sein.“ Auf der Arbeit nehme ich das auch  jeweils mit Humor (unter Kollegen), bzw. Ernsthaftigkeit (gegenüber den Bewohnern), denn es kann auch sein, dass man im nächsten Moment mit wirklich nicht mehr so lustigen Aussagen konfrontiert wird. „Eigentlich will ich gar nicht mehr leben.“ Die Medaille hat ja nun mal zwei Seiten. Daher will ich das so ein bisschen weglassen. Wer A nicht sagt, braucht dann wegen nichterzähltem B sich keine Gewissensbisse zu machen.

angenehmere Erfahrungen:

Angenehm ist, wenn die (in diesem meine ich nur die dementen) Bewohner/innen sich freuen, wenn man zu ihnen geht, dann wird alles folgende gleich leichter, aber nicht gleich wirklich leicht.  „Na, min Jung“ oder „Das ist ja schön, dass Sie mich mal besuchen kommen.“ Ja, das ist es auch. Während wir nun diskutieren, ob ein Windelwechsel nötig ist  („Ooch, das kann ich doch allein, da müssen sie sich nicht bemühen.“ (Natürlich kann die Bewohnerin es nicht allein.)) lerne ich auch gern alte Kinderlieder wie „Der Jäger aus Kurpfalz“.

Und ich bekomme Lebensweisheiten mit auf dem Weg. Trotz fortgeschrittener Demenz kam eine Bewohnerin beim „Lesen“ der Bild am Sonntag zu einer wahren Schlussfolgerung. Die Überschrift war ungefähr so: „Ich habe kein Problem damit, dass Lothar (Matthäus) schon 3mal verheiratet war.“ Bewohnerin, 92 Jahre: „Wer will denn das wissen? Und wer ist überhaupt dieser Lothar?“ Ich erklärte nebenher, dass L. Matthäus gemeint ist. Als ich mich verabschiede und aus dem Zimmer gehen will, gibt sie mir mit auf den Weg: „Und denken Sie nicht mehr an diesen Lothar.“ Das habe ich ihr dann versprochen und eine gute Nacht gewünscht.

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