Der kleine Weinladen

15 02 2009

Ein Kurzdrama in 5 Akten

1. Akt/ Vorfreude: In einem kleinen Weinladen wollte ich mir einen Präsentkarton zusammenstellen lassen. Die Besitzerin/Verkäuferin telefonierte gerade mit dem Ladentelefon. Sie deutete mir an, dass sie gerade nicht auflegen könne.

2. Akt/ Wut: Drei bis vier Minuten gingen ins Land. Der Ärger stieg mir langsam vom Magen in den Hals hoch. Ich sagte mir, dass ich ihr noch zwei Minuten geben werde. Inzwischen kamen noch weitere Kunden ins Geschäft. Im – sagen wir mal – halbgeschäftlichen/ halbprivaten Telefongespräch wurden inzwischen einige Sätze zum dritten Mal wiederholt. Dann kam ungefähr wortgemäß der Satz: „Kann ich sie morgen vormittag noch mal anrufen, mein Laden füllt sich gerade?“ Nach gefühlten und wahrscheinlich  sogar realen 7 Minuten öden Weinflaschenanschauen konnte ich in diesem Moment nur noch rausgehen. Das Hörerauflegen habe ich dann nicht mehr erlebt. Ich hätte mir in diesem Moment nicht vorstellen können, ein nettes Gespräch über Rotwein zu führen, weil ich mir wirklich ver***** vorkam. Vor allen Dingen war sie nicht wirklich daran interessiert, dass Gespräch zu beenden, als ich im Laden war. Lag es an meinen alten Winterschuhen? Sehe ich nicht aus wie ein Weinkäufer?

3. Akt/ Unglück: Die Empörung erreichte weitere Höhen, als in einer engen Einkaufsstraße ein Taxi die Fahrbahn blockierte. Genervt wollte ich ein Stück zurückfahren, um wenigstens den von vorne kommenden Verkehr durchzulassen. Doch dort stand der Opel Astra. *Knork* sagten die Autos zueinander.

4. Akt/Resignation: Der „Unfallgegner“ war ein netter Herr M. aus XY. Geknickt gab ich ihm eine vorgedruckte Karte der Versicherung, die sich partout nicht aus der vorgestanzten Umrandung lösen lies. Ich habe das dann kurzerhand abgerissen. Der Opel war etwas verkratzt und angeschrammt. Am Abend telefonierte ich mit der Versicherung und stellte mich auf eine dicke Beitragserhöhung ein.

5. Akt/Glück: Einen Tag später klingelte mein Telefon. Der Anruf war unterdrückt, bzw. der andere Apparat zu alt. Herr M. war dran und erzählte von seinem Werkstattbesuch. Der Schaden war nicht groß, aber auch nicht  umsonst zu lackieren. Dann fragte er plötzlich, ob ich einverstanden sei, mit der Zahlung von zwei braunen Euroscheinen die Sache zu begleichen. Die Sache könnte vielleicht doch noch einen guten Ausgang nehmen. Wie toll sind da doch 24h-Versicherungshotlines ! Ich wollte da nichts windiges eingehen ! Meine Beraterin hatte aber nichts dagegen, im Gegenteil, sie ermunterte mich zur allseitigen Arbeitsentlastung auf das Angebot einzugehen. Ich solle nur die Einverständniserklärung an den Sachbearbeiter schicken. Mit einer druckfrischen selbstgebastelten, juristisch laienhaft verfassten Erklärung und einer schnellerworbenen riesigen Schokoladentafel fuhr ich mit leicht pochendem Herzen zu der Wohnung des „Unfallgegners“ und bin damit einer fetten Beitragserhöhung wohl noch mal von der Schippe gesprungen.

Eine Pointe hätte ich noch haben können: In dem Telefonat im 4. Akt fragte mich die Hotlinedame, ob ich zum Unfallzeitpunkt Alkohol getrunken hätte.“Nee, den wollten sie mir nicht verkaufen“, hätte ich antworten können, aber so sarkastisch und nihilistisch bin ich nicht.

Den Karton Wein habe ich dann bei einem Weindepot gekauft, wo ich drei Anfahrten brauchte, weil einmal die Öffnungszeit falsch im Internet stand, ich einmal in der (verlängerten oder nicht, dass ist mir jetzt auch egal) Mittagspause kam. Aber ich wollte mich nicht aufregen, weil das ja so teuer werden kann.

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Kevin allein auf der Rückbank (oder Leon oder Finn)

19 12 2008

Von diesem Dialog habe ich nur einen Satz mitbekommen, daher kann ich nur raten, was die Sprecher  sonst noch gesagt haben. Die Szene: Papa und Mama kommen mit Mediamarkttüten zu einem Opel Astra zurück, hinten sitzen zwei Kinder.  Auf einmal blökt der Vater gut hörbar: „Du sollst dich abschnallen, du Dussel.“

Versuch einer Rekonstruktion:

Sprecher 1 ist der Vater, Sprecher 2 das  ältere Kind, ein ca. 5-6 Jahre alter Junge.

Sprecher 1: ?

Sprecher 2: ?

Sprecher 1, energisch, laut,  hat schon die Heckklappe aufgemacht: „Du sollst dich abschnallen, du Dussel.“

Möglichkeit 1:

S 1: „Kevin, mach´ma die Beifahrertür auf.“

S 2: “ Ich komm da nicht ran.“

S 1: “ Du sollst dich… usw.“

Möglichkeit 2:

S 1: „Kevin, mach´ma die Beifahrertür auf.“

S2: “ Wie soll ich das denn machen?“

Möglichkeit 3:

S 1: „Kevin, mach´ma die Beifahrertür auf.“

S 2: „Habt ihr da eine  Playstation für mich  in der großen Tüte?“

P.S.:

In dubio pro reo für den Vater, denn ich konnte auf 20 m Entfernung nur ihn in seinem Zorn hören. Vielleicht war der Junge ja wirklich bräsig und dusselig vom Warten geworden, vielleicht war er aber  auch benebelt davon, viel Dusel zu haben, weil die Eltern mit so großen Tüten ankamen.

Habt jemand  noch Vorschläge? Sprecher 1 ist ja nun recht einseitig von mir beschrieben worden. Wie könnte der Junge heißen?





Auf Wärme folgt gelegentlich Kälte

19 12 2008

An der Kasse in einem großen Getränkemarkt, das Gespräch ist schon einen Moment im Gang, ich stehe so 3 m hinter den Personen:

Kassiererin: „Es soll ja wärmer werden.“

Kunde: „Ja, und dann irgendwann soll es wieder kälter werden.“

Ich möchte Gespräche über das Wetter nicht lächerlich machen, sie zeigen, dass man geneigt ist, sich zu unterhalten und dienen dazu, die Kommunikationsbereitschaft des Gegenüber abzuchecken. Trotzdem musste ich wegen dieser knapp gehaltenen Sätze lächeln.

Die Frösche vom Fach sehen es aber wirklich so:

http://www.wetteronline.de/feature/trend.htm